Jahresrückblicke: Karriereenden
Geschrieben von: Natalie Rusch   
Mittwoch, 30. Dezember 2009 um 20:16

Karriereenden bekommen meistens mehr Aufmerksamkeit als ein Debüt, vor allem wenn es große Champions sind, die sich zurückziehen, freiwillig oder unfreiwillig. Wir werfen ein Blick auf die, die sich im vergangenen Jahrzehnt von der Formel 1-Bühne verabschiedeten.

 

Jahresrückblicke: Karriereenden
von Natalie Rusch

Karriereenden bekommen meistens mehr Aufmerksamkeit als ein Debüt, vor allem wenn es große Champions sind, die sich zurückziehen, freiwillig oder unfreiwillig. Wir werfen ein Blick auf die, die sich im vergangenen Jahrzehnt von der Formel 1-Bühne verabschiedeten.

Michael-Schumacher-Joins-MERCEDES-GP-PETRONAS-a

|(!NS!DE-RAC!NG) - Es gibt verschiedene Arten von Karrierenden. Da sind zuerst die, die unfreiwillig gehen müssen, entweder weil sie keinen Erfolg hatten, und stattdessen Streit mit ihrem Team. Und auf der anderen Seite stehen die Siegfahrer, die Weltmeister, die ihre Karriere noch selber modellieren und sich einen richtigen Zeitpunkt aussuchen müssen. Jene hatten es in den letzten zehn Jahren besonders schwer und kamen um Diskussionen unter den Fans und in der Presse nicht herum.

Vier Weltmeister schieden aus der Formel 1 aus, einer davon legt vielleicht nur eine Pause ein und ein anderer möchte 2010 ein Comeback-Versuch starten. Gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends erklärte ein Weltmeister seinen Rücktritt und der war endgültig, auch wenn er das zuerst nicht sein sollte:


Mika Häkkinen: "Mika, it looked very easy, was it?“ "Oh yeah it was so easy, you can't believe it..... No it wasn't."

Häkkinen ging als amtierender Weltmeister in das neue Jahrzehnt, verlor die WM 2000 aber an seinen Dauerrivalen Schumacher. 2001 kämpfte McLaren mit einem Auto, das Ferrari unterlegen war und dem zweimaligen Weltmeister kein Glück brachte. Dabei setzte sich in Spanien 2001 wieder einmal das fort, was schon so oft in den Jahren zuvor passiert war: In Führung liegend streikte das Auto kurz vor Schluss. Elf Jahre war Häkkinen in der Formel 1, fuhr 161 Rennen, von denen er zwanzig gewann, zuletzt jenes in den USA 2001. 420 Punkte sammelte er und gewann den Fahrertitel 1998 und 1999. Nach Keke Rosberg hatte sein Heimatland Finnland wieder einen, der den Titel des "fliegenden Finnen" verdiente. In Erinnerung geblieben ist auch sein schwerer Unfall in Australien 1995, seinem ersten Jahr bei McLaren, bei dem er schwere Verletzung erlitt, im folgenden Jahr aber wieder in der Formel 1 starten konnte. In den Jahren 2000 und 2001 stellte ihm die Presse immer öfter die Frage nach seiner Motivation, nachdem in manchen Rennen offensichtlich wurde, dass jene fehlen könnte. Während einer schwierigen Saison 2001 fällte Häkkinen schließlich die Entscheidung, eine Pause einzulegen und sich um seine Familie zu kümmern, nachdem im Dezember zuvor sein Sohn geboren worden war. Es wurde jedoch ein definitives Karrierende. Von 2005 bis 2007 startete Häkkinen noch mit wechselndem Erfolg für Mercedes in der DTM und absolvierte im November 2006 noch einen Test im aktuellen Formel 1-Modell von McLaren-Mercedes. Lange Zeit war Häkkinen der einzige ernste Konkurrent für Michael Schumacher, auch war der Finne, der sich durch seine ruhige und gelassene Art auszeichnet, in Deutschland bekannt und beliebt.


Jean Alesi: "Du weißt nicht wirklich wie schnell du eigentlich bist, ehe du nicht Formel 1 gefahren bist"

Auch der Franzose Alesi nahm 2001 die letzte Ausfahrt Suzuka. Schon 1989 stieg er in die Formel 1 ein und wurde als großes Talent gehandelt, verpasste es aber, Erfolge einzufahren. Als er bis Mitte der 90er für Ferrari fuhr, befand sich das Team noch unaufhaltsam am Absteigen. 1996 ersetzte er Michael Schumacher bei Benetton und konnte dort im selben Jahr in Kanada seinen ersten und einzigen Sieg erlangen. Es war an seinem 32.Geburtstag. Danach fuhr der temperamentvolle Südfranzose noch für Sauber, Prost und schließlich für Jordan, wo er 2001 gegen Ende der Saison Heinz-Harald Frentzen ersetzte und in Belgien noch einmal in die Punkte fuhr. Eddie Jordan konnte seinen Piloten nicht dazu überreden, noch weiter zu fahren, Alesi hatte seine Entscheidung unwiderrufbar getroffen. Sein Markenzeichen wurde es, nach einem erfolgreichen Rennen überschwänglich seinen Helm in die Fanmenge zu werfen. Wie auch Häkkinen fuhr er nach dem Ende der Formel 1-Karriere noch in der DTM, wo er seinem waghalsigen aber beherrschten Fahrstil treu blieb und dort noch vier Siege feiern durfte.

 

Als Jaguar im Jahr 2000 in die Formel 1 einstieg, holte man mit Johnny Herbert und Eddie Irvine zwei erfahrene Piloten. Herbert beendete schon nach jenem Jahr seine Laufbahn nach zwölf Jahren und drei Siegen, auch wenn er der Serie erhalten blieb: 2001 wurde er Testfahrer für Arrows, 2005 Teammanager für Jordan und später für Midland. Im Jahr 2002 musste auch sein Teamkollege der Saison 2000 Abschied nehmen:


Eddie Irvine:  Senna: What the **** do you think you were doing?

Irvine : I was racing!

Senna : You were racing? Do you know the rule that you're supposed to let the leaders come by when you're a back marker?

Irvine : If you were going fast enough, it was no problem.

Entweder man mag ihn oder man hasst ihn. Entweder ist er ein Charakterkopf oder nur einer mit einer ganz schön großen Klappe. Als der Nordire Eddie Irvine 1993 in die Königsklasse des Motorsports einstieg, legte er sich gleich mit dem Weltmeister Ayrton Senna an, der ihn im Japan-Grand-Prix überrunden sollte. Auch später machte er vorwiegend Schlagzeilen durch seine Äußerungen und sein Playboy-Image. Vier Siege errang er in 147 Rennen, von 1996 bis 1999 fuhr er an der Seite von Michael Schumacher bei Ferrari und stieg nach dessen Unfall 1999 zum WM-Kandidaten auf. Ein Jahr später heuerte er bei Jaguar an und konnte dort nicht an Ferrari-Erfolge anknüpfen. 2002 kam das Karriereaus, auch wenn er gerne noch weiterfahren wollte. Er hatte einen Platz beim Jordan in Aussicht, wo er 1993 seine Karriere begonnen hatte, doch Jordan brauchte einen Pay-Driver um genug Geld zu haben für die Saison. Nach seiner Karriere war er zwischenzeitlich im Filmgeschäft unterwegs und ist außerdem Besitzer eine Sport- und Freizeiteinrichtung in Nordirland.


Heinz-Harald Frentzen: "The good thing is... that actually... in the tunnel it never rains."

157 Rennen fuhr der Mönchengladbacher von 1994 bis 2003, Erfolge feierte er bei Williams und Jordan, denen er zusammen drei Siege einbrachte. Seine gesamte Karriere lang stand Frentzen im Schatten Michael Schumachers, den er nur kurzzeitig als erfolgreichster deutscher Pilot ablösen konnte. 1997 wurde er Vize-Weltmeister, 1999 WM-Dritter. Durch Jordans Sponsoringvertrag mit der Deutschen Post bekam Frentzen den Spitznamen des "schnellsten Postboten der Welt" verpasst. Beliebt wurde er auch für seine Art, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen zu haben. Etwas überraschend fand der Deutsche sich im Sommer 2001 vor den Scherben seiner Karriere stehend: Nach einer bisher erfolglosen Saison kündigte ihm Eddie Jordan, es folgte eine lange Schlammschlacht und ein Gerichtsstreit. Bei den Hinterbänkler-Teams Prost und Arrows fand er danach noch eine Anstellung und einige Anerkennung für seine Leistungen dort. 2003 kehrte er zu Sauber zurück, wo er mit Nick Heidfeld "Mönchengladbacher Stadtmeisterschaften" austrug und gewann. Nach dem Ende seiner Formel 1-Karriere, nachdem er ein erneutes Angebot von Jordan ausgeschlagen hatte, startete er von 2004 is 2006 in der DTM, konnte dort aber keine große Erfolge mehr feiern. Sowohl für Irvine als auch für Frentzen gilt: Die Formel 1 war unterhaltsamer, als beide noch dabei waren.


Juan Pablo Montoya: Ron Dennis:"Ich hatte einen Anruf aus Miami, genauer gesagt aus Downtown McDonald's."

Als der damals 25-Jährige im Jahr 2001 in die Formel 1 kam, war er mehr als nur ein Talent, er war bereits ein Siegfahrer und hatte in Amerika große Siege eingefahren. Bei BMW-Williams enttäuschte er nicht und war einer der schnellsten Piloten im Feld. Mit zwei Schwächen allerdings: Seine Hitzköpfigkeit und seine Liebe zu Fast Food. 2005 verpasste er nach einer Verletzung mehrere Rennen, 2006 fuhr er bei McLaren-Mercedes nur im Schatten seines Teamkollegen Räikkönen, verließ zur Mitte der Saison hin das Team und kam damit einem Rausschmiss nur knapp zuvor. Dennoch ist Montoyas Erfolgsquote beeindruckend:In 94 Rennen errang er 30 Podestplätze und sieben Siege, 307 Punkte kann er insgesamt vorweisen. Heute fährt er in der Nascar und freut sich über das Catering dort: „Es gibt Hotdogs!“


Jacques Villeneuve: „Ich hasse es, wenn Politik eine zu große Rolle im Sport spielt“

Er ging als Weltmeister in das neue Jahrtausend. Jacques Villeneuve wandelte als Motorsportler in den großen Spuren seines Vater Gilles, der auf tragische Weise ums Leben kam. 1997 wurde der Sohn dann Formel 1-Weltmeister. Das „enfant terrible“ mit den grell gefärbten Haaren und stets zu großen Rennoveralls feierte schon früh Erfolge. Nach seinem Wechsel zum Team seines Freundes Craig Pollock, BAR-Honda, begann aber der Abstieg. Nur selten konnte Villeneuve noch in die Punkte fahren und fiel mehr durch seine verbalen Attacken gegen seinen WM-Konkurrenten Michael Schumacher auf, der ihn 1997 von der Strecke bugsiert hatte und disqualifiziert wurde. Villeneuve sträubte sich gegen jede politische Entscheidung über Renngeschehen. 2006 trat er nach der Rascasse-Affäre um Michael Schumacher aus der Fahrergewerkschaft GPDA aus. In jenem Jahr fuhr er für BMW-Sauber, war dem Motorenhersteller aber nur ein lästiges Erbe aus Sauber-Zeiten. Nach dem Großen Preis von Deutschland kündigte man ihm. Villeneuve versuchte sich 2006 auch als Musiker und nahm das Album „Accepterais-tu?“ auf. Seit einiger Zeit bringt er sich immer wieder ins Spiel, wenn ein Platz in der Formel 1 frei wird und möchte 2010 wieder ein Stammcockpit haben. In zehn Jahren Karriere fuhr Villeneuve elf Siege heraus und sammelte 235 Punkte.


Michael Schumacher: Corinna Schumacher: "Für euch ist er eine Legende, für mich aber nur ein Ehemann."

Es wurde das Karriereende des Jahrzehnts. Als Michael Schumacher, der ewig Siegende, nach dem Rennen in Monza 2006 schlecht kopierte Schreiben verteilen lässt, weiß jeder schon was da stehen würde. Nach 91 Siegen un 249 wollte sich der Rekordweltmeister zurückziehen und läutete damit eine neue Ära in der Formel 1 ein. Seitdem gab es immer wieder Spekulationen über ein Comeback, das im Sommer 2009 beinahe Wirklichkeit geworden wäre und es 2010 im Mercedes nun wirklich wird. In dieser Liste dürfte er damit keinen Platz mehr finden. Die einen freuen sich auf weitere Siege, die anderen sähen seine Karriere lieber wieder zu den Akten gelegt.


Ralf Schumacher: „Grundsätzlich bin ich immer guter Laune, auch wenn man es nicht immer sieht."

Schon bevor Ralf Schumacher auch nur ein Rennen gefahren hatte, stand das Urteil über ihn fest: Er würde immer der jüngere Bruder von Michael Schumacher sein. Zu Jordan-Zeiten konnte der junge Ralf trotz seines Rufs als „Rolex-Ralf“, als verwöhnter kleine Bruder, aber einiges Talent beweisen und schaffte 2001 bei BMW-Williams endgültig den Durchbruch: Er siegte dreimal und stand in Kanada vor seinem Bruder auf dem Treppchen. Ins Stocken geriet seine Karriere danach, als Ferrari jahrelang dominierte und BMW-Williams damit aus der Erfolgsspur geriet. Immer mehr Fans und die Presse stellten sich gegen ihn, als der Erfolg dort ausblieb und Schumacher als schlecht gelaunter Verlierer erschien. 2007 verlängerte er nicht mit Toyota und wollte eine Formel 1-Pause einlegen, die er zum Wechsel in die DTM nutzte. Noch konnte er dort nicht wieder siegen, wird aber wahrscheinlich 2010 in ein drittes Jahr bei Mercedes starten. In der Formel 1 schaffte er sechs Siege in 180 Rennen.


David Coulthard: "Ich war länger Teamkollege von Mika als ich jemals mit einer Freundin zusammen war - das ist schon ein wenig seltsam!"

Von 1996 bis 2004 fuhr der Schotte für McLaren-Mercedes und stand dort lange im Schatten des Weltmeisters Häkkinen. Erst in den Jahren 2000 und 2001 konnte er sich daraus befreien und erlebte 2001 zudem den Höhepunkt seiner Karriere, als er Zweiter der WM-Wertung wurde. Coulthard galt als Gentleman des Motorsports, scheute aber vor allem keine großen Sprüche. 246 Rennen fuhr er, kann dreizehn Siege und über 500 WM-Punkte vorweisen. In den letzten vier Karrierejahren fuhr er für Red Bull und konnte dort hin und wieder der Leistung des Autos entsprechend Highlights setzten. Der heute 38-Jährige lebt im Reichen-Paradies Monaco und besitzt dort ein Hotel, seit dem Ende seiner Karriere ist er außerdem als TV-Journalist in Großbritannien tätig.


Kimi Räikkönen: „Es ist sehr schön hier auf meinem Planeten“

Obwohl er erst wenige Rennen gefahren war, erhielt der 21-jährige Finne 2001 einen Vertrag bei Sauber-Petronas und machte seinen Job hervorragend, wurde schon im Jahr darauf Nachfolger für Landsmann Häkkinen bei McLaren-Mercedes, für die er sich fünf Jahre hinter das Steuer klemmte. Dort litt er unter einem unzuverlässigen Wagen, was ihn 2007 dazu brachte, zu Ferrari zu wechseln. Obwohl man dem trinkfesten und wortkargen Finnen Lustlosigkeit und Gleichgültigkeit vorwarf, ja gar auf seinem eigenen Planeten zu leben, sammelte er regelmäßig Punkte und Siege und wurde so nach einer Aufholjagd am Ende der Saison 2007 Weltmeister. 2008 konnte er an diesen Erfolg nicht anknüpfen und auch 2009 erfüllte er die Erwartungen nicht mehr. Als bekannt wurde, dass Ferrari Fernando Alonso verpflichten wollte, gab er seinen vorläufigen Rückzug aus der Formel 1 bekannt und möchte 2010 Rallye fahren. Ob es ein definitives Karriereende ist, weiß er selber noch nicht.

Außerdem ihre Formel 1- Karrieren beendeten Pedro Diniz, Mika Salo, Jos Verstappen und Olivier Panis, sowie diverse Fahrer, die in der Königsklasse nur kurze Zwischenspiele hatten. NR

 


Am achten Tag des Rückblicke-Spezials widmen wir uns dem "Jahr 1 nach Schumacher", der Saison 2007.

Alle bisherigen Artikel des Spezials:

2000 - Duell der Giganten ; Die Debütanten (1): Heidfelds Warten auf Godot ; 2001 - Mustersaison für ein einfallsreiches Drehbuch ; Gründung der ETCC ; 2002 - Siegeszug der Roten Göttin ; PC-Simulationen; Jahresrückblick: 2003 ; Kurioses von A-Z ; 2004 - Lehrstunden des Absolutismus ; Die Debütanten (2): Der Glückspilz ; 2005 - Die Zeit der Konkurrenz ; 2006 - Wendepunkt

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